Wen interessiert die Wissenschaft?

reagenzglas

"Science: Who cares?" Diese provokante Frage stellt ein studentisches Kolleg an der Universität. Untersucht und hinterfragt werden die praxisferne Lehrerausbildung, ungenutzte Potentiale der Museen und der Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Komplexität und dem Wunsch der Medien nach einfachen Botschaften. Jetzt werden die Ergebnisse dieser drei praktischen Feldstudien vorgestellt.

Die Tagung findet am 28.11. in Universität, Centraltheater und Skala statt.

Zeit: 28.11.2009, 10:00 Uhr
Ort: Neues Seminargebäude der Universität Leipzig,
Centraltheater und Skala

Nach sieben Monaten Arbeit geht das studentische Kolleg
"Science: who cares?" am 28.11. in die letzte Runde. 50 Studierende aus mehr als 20 verschiedenen Fachrichtungen haben die Wechselwirkungen von Wissenschaft und Gesellschaft erforscht. Dabei untersuchten sie Schulen, Museen und Medien in drei Fallstudien. Das Abschlussforum ist offen für jeden, der mitdiskutieren möchte.

Lehrerausbildung an der Universität - Inhalt vs. Praxis:
Wer heute Lehrer wird, nimmt eine große Herausforderung an.
Denn Schulen werden mehr und mehr zum Brennpunkt gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und sozialer
Auseinandersetzungen: "Neben der Vermittlung von Unterrichtsinhalten wird von Seiten der Politik und Gesellschaft zunehmend gefordert, dass Lehrerinnen und Lehrer als Berater und Betreuer fungieren sollen. Doch die universitären Ansprüche an die Ausbildung sind ganz andere", fasst Projektleiter Sven Jaros die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe zusammen. Vorausgegangen ist eine umfassende Feldstudie mit Interviews mit Lehrern, Lehramtsstudierenden und Referendaren. "Viele Befragte vermissen eine frühe und nachhaltige Praxiseinbindung in das Studium. Die vermittelten fachwissenschaftlichen Erkenntnisse werden nicht in Beziehung zur späteren Tätigkeit gesetzt. Auch die pädagogische und didaktische Ausbildung wird vielen Anforderungen aus der Schulpraxis nicht gerecht", stellt Jaros einige der Ergebnisse vor.

Museen als Mittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft:
Drei Museen wurden unter die Lupe genommen: das mathematisch-naturwissenschaftliche Zentrum Inspirata und das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig, sowie das Dresdner Hygiene Museum. "Bei unseren Exkursionen sahen wir viel ungenutztes Potential der museumpädagogischen Arbeit für kulturelle und politische Bildung", stellt Teilnehmerin Lea Hilsemer fest. Den neuen Anforderungen, gerade beim Stichwort "Infotainment" würden viele Museen nicht gerecht.
Der Besuch im Zeitgeschichtlichen Forum machte Hilsemer zufolge deutlich, wie stark die museale Inszenierung ein bestimmtes Geschichtsbild erzeugen kann. Die Studenten fragen, welche Vor- und Nachteile diese Vermittlungsstrategie hat.

Wissenschaft und Medien: Eine Partnerschaft mit
Konfliktpotenzial:
Wissenssendungen wie "Echt" oder "Hauptsache Gesund" vom MDR leben von der Faszination der Wissenschaft. Der Publikumserfolg gibt den Machern Recht. Trotzdem finden sich Wissenschaftler oftmals nicht wieder in den Beiträgen der Medien. Eine dritte Arbeitsgruppe hat hinterfragt, wie die mediale Darstellung von Wissenschaft funktioniert und wie diese in der Gesellschaft wahrgenommen wird. "Beim Besuch der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und des MDR in Leipzig zeigten sich die verschiedenen Rollenverständnisse von Wissenschaft und Medien", sagt Teilnehmerin Kristin Bauer. "Überspitzt
gesprochen: In der Wissenschaft kann man nicht auf zehn Fußnoten pro Seite verzichten. Es geht darum, am Ende mehr Fragen zu haben als am Anfang. In den Medien wird aber nach kurzen, prägnanten Antworten gefragt."

Unterstützt wird das Projekt von Schirmherr Volker ter Meulen, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle/Saale: "In Anbetracht der Tatsache, dass die Gesellschaft tagtäglich mit Wissenschaft und deren Ergebnissen konfrontiert wird und unser Leben vielfältig durch Wissenschaft bestimmt ist, muss auch kritisch über den Sinn von Wissenschaft und den Umgang mit ihr reflektiert werden", betont er. "Es ist daher wichtig, dass eine studentische Initiative das Jubiläum der Universität Leipzig zum Anlass nimmt, einzelne Facetten dieser Thematik herauszugreifen und zu beleuchten."

Eröffnet wird die Abschlusstagung mit einem Gastvortrag von Dr. Henning Schmidgen vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (Berlin) zum Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft bei Bruno Latour. "Die Liebe zur Weisheit" führt anschließend ins Centraltheater, wo Hausphilosoph Guillaume Paoli Wissensquellen fern von verstaubten Hörsälen aufspürt. Zum Abschluss spielt die Dresdner Rockband "Stilbruch" in der Skala. Veranstalter ist der Verein "Studierende 2009 e.V."

Projektkoordinatorin/Studierende 2009 e. V.
Franca Hähle
E-Mail: science@studierende2009.de

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