Rauchverbot in Discos enttarnt Partygäste als Stinker

Düsseldorf- Mittlerweile wird das gute Deo in deutschen Diskotheken wichtiger als der elegante Hüftschwung. Seit sich mit dem Rauchverbot in Lokalen der Qualm aus den Clubs verzogen hat, offenbaren sich zum Teil markerschütternde Gerüche.

Die Kölner Nachtschwärmerin Annika Schuler klagt zum Beispiel über ekelhaften Schweißgeruch und verschüttetem Bier in ihrer Stamm-Disco, seitdem sich der Qualm aus den Läden verzogen hat.

Diskothekenbesitzer bestätigen die unerwarteten Nebenwirkungen des Rauchverbots. «Im Laufe des Abends riechen einzelne Gäste», heißt es aus dem Düsseldorfer «Monkey's Club». Auch bei der Konkurrenz, dem «3001», zieht hin und wieder ein unangenehmes Lüftchen durch die tanzende Menge. Der Betriebsleiter Fabian Veldmann stimmt dem zu: «Das kann auf jeden Fall schon mal passieren.» Doch halte sich das Mief-Problem noch in Grenzen.

Was tun, damit das Problem nicht noch schwerwiegender wird und somit eventuell sogar bald die Gäste dem Club fernbleiben? Beide Clubs wollen die üble Luft loswerden. Im Zuge des Rauchverbots steht jetzt die Beduftung der Räumlichkeiten zur Debatte. Die Geschäftsführerin Martina Kump vom «Monkey's Club» überlegt derzeit etwas frisches mit Menthol einzuführen. Auch das 3001 findet etwas neutralisierendes angenehmer. Vanille-Zauberbäumchen wie für das Raucherauto kommen nirgendwo in Frage. Da der Markt mit Duftstoffen boomt, sollte es aber nicht schwierig sein etwas zu finden, womit Clubbesitzer und Partygäste auf beiden Seiten gleich zufrieden sind.

Beratung holen sich beide Clubs vom Geschäftsführer von Maxxscent, Claus Runge, der Unternehmen zur verkaufsfördernden Duftnote berät. In anderen Ländern, wie Großbritannien sei das beduftungssystem schon gang und gäbe. Er meint: «Einem gut beduftetem Raum, merke ich nicht an, dass er beduftet ist».

In dem nicht wahrnehmbaren Luftverbesserer sieht allerdings der Deutsche Allergie- und Asthmabund ein Problem. Chemiker denken, dass die Disco-Betreiber sich nicht im Klaren darüber sind, dass sie bestimmte sensible Personen gesundheitlichen Gefahren aussetzen. Über die Verträglichkeit von Duftstoffen gebe es zudem keine Langzeitstudien. Gerade für Asthmatiker sei die Beduftung katastrophal.

Der Düsseldorfer Club «Nachtresidenz» hat von Ärger dieser Art bisher nichts gehört. Seit zwei Jahren verbreitet sich hier mit den Tröpfchen aus der Nebelmaschine ein neutrales Aroma über die tanzende menge. «Keine einzige Beschwerde» habe es wegen der Duftstoffe gegeben, bestätigt Betriebsleiter Tom Rameil. Die Flüssigkeit sollte zunächst dem Zigarettenqualm seinen beißenden Geruch entziehen, jetzt helfen die unsichtbaren Substanzen in der Nachtresidenz aber auch gegen Schweiß und Co.

Das Multitalent Duft überzeugt aber noch lange nicht alle Diskothekenbetreiber. Duftstoffe seien keine Notwendigkeit. Auch die Kosten für eine Duftanlage dürften manche Betreiber zurückschrecken lassen. Eine Belüftungsanlage mit Duftstoffen kostet, laut Maxxscent, für eine Fläche von rund 2000 Quadratmetern rund 5000 Euro.

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