Studiengebühr für die Bibliothek

Die Studierenden sollen durch die Wissenschaft herausgefördert und gerne auch mal überfordert werden.

Der Professor und Präsident der privaten Uni Witten Herdecke ist sich sicher, dass die Universitäten zwar sehr viele intelligente Mitglieder haben. Doch für die jungen Menschen in der Uni ist es nicht das erste auf das sie stoßen werden, denn schon die Lehre ist nicht intelligent organisiert. Die Universitäten haben sich kaum darum bemüht, ihre Form die längst veraltet ist zu erneuern und intelligenter zu werden. Die Vorlesungen und Seminare wirkend oft abschreckend.

Mittlerweile bietet die Universität keine Möglichkeit mehr, in dem Nachdenken, Neugier des Denkens, Ausprobieren, Diskutieren und Erörtern aktiv ausgelebt werden können. Obwohl gerade die Universität der Ort des langen und intensiven Nachdenkens ist. Doch wenn den Studenten keine Chance gegeben wird, mit dem Nachdenken zu beginnen, ist der Kredit durch die Universität verspielt. Dann wird man politisch nicht mehr gewillt sein, die Kosten dafür zu übernehmen. Um die daraus entstehende Abwärtsspirale aufzuhalten, wurden an den Universitäten Effizienzprogramme angelegt und die Studiengänge wurden verkürzt.

Über die Exzellenzinitiative freut sich insbesondere die Spitzenforschung. Dort werden Projekte darüber definiert, dass international und interdisziplinär gearbeitet wird. Daraus entsteht wiederum eine gute Möglichkeit eine exzellente Wirtschaft mitzugestalten. Die Studenten hingegen profitieren nicht davon. Lediglich für den Forscher ist es gut, denn der wird aus der Universität raus genommen und kann fünf Jahre lang sich nur dem Forschen widmen. Doch wer bleibt da und macht die Lehre? Kaum vorzustellen, doch Bachlorstudiengänge werden frühestens im Master- oder PhD-Studium mit den guten Wissenschaftlern in Kontakt kommen. Für Priddat hat das nichts mehr mit einer Universität zu tun.

Die Exzellenzinitiative bedeutet zwar nicht den Untergang der deutschen Universität, doch sie retten sich noch mit wenigen Studenten, klein und elitär, so Priddat. Das sei ein Fehler, denn intelligente Universitäten würden sich dafür einsetzen, eine möglichst hohe Zahl von Studierenden intelligent zu versorgen. So stellt Birger Priddat die Frage, welche Bildungsqualitäten für die Jugendlichen gegeben sein müssen.

Um eben solche Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, müsste die Wissenschaft sich den Studenten öffnen. Denn für eine intelligente Universität sollte es ein Unding sein, dass die Studenten unten anfangen und erst nach Jahren Antworten bekommen. Die Forscher müssen die Studenten direkt mit den wichtigsten und anspruchsvollsten Themen beschäftigen, denn nur dann wird die Neugierde der Studenten geweckt. Sobald dem Studierenden dann auffällt, dass er etwas nicht weiß, wird er sich selbst darum bemühen es zu lernen und zu verstehen. So beginnt der Studierende zu lesen, zu erörtern und zu diskutieren.

Der Professor und Präsident Birger Priddat setzt sich daher für die Überforderung der Studenten von Beginn des Studiums ein. Es sei zudem eine Unverschämtheit intelligenten Studenten gegenüber, mit pädagogisch „unwichtigen” Themen das Studium zu beginnen.

Die Seminare an intelligenten Universitäten müssten mit niedrigerer Mitgliederzahl stattfinden, sodass eine vernünftige Diskussion stattfinden kann. Keiner würde dann in der zweiten „Reihe” sitzen, könnte sich also auch nicht vor der Diskussion drücken. In erster Linie geht es um das direkte Feedback, die Interaktion von Rede und Gegenrede und die Gelegenheit auch selbst jederzeit nachzufragen. Allein auf diese Art und Weise kann sich das Denken in einen Text, eine Theorie, einer Methode einarbeiten und es letztendlich verstehen. Wichtig ist aber auch, dass der Zugang zu den Professoren auch außerhalb der Seminare gegeben ist, damit auch dann Fragen gestellt und Gespräche geführt werden können.

Ob das an Massenuniversitäten auch möglich ist, hängt von den Forschern und Lehrern ab. Die Seminare werden oft einfach auf den Fluren „weitergeführt” und das in guten Universitäten.

Obwohl Überforderung durchaus erwünscht ist, wird nur eine Disziplin studiert. Dabei muss der Student ohnehin über Disziplingrenzen hinausblicken können. Denn Probleme sind multidisziplinär und das muss anerkannt werden, damit man arbeiten kann. Ein Jurist etwa kann die Welt nicht nur unter juristische Gesichtspunkte sehen. Die Studenten müssen lernen, dass Probleme nicht nur aus einer Perspektive interpretiert und bearbeitet werden können. An den Universitäten könnte so etwas durchaus angeboten werden, wenn sie ohnehin viele Fächer anbieten. Priddat stellt sich die Frage, warum zwischen den einzelnen Fächern keine Gespräche geführt werden, warum wird den Studierenden nicht angeboten angrenzende Fächer ihres Studienfachs mitzustudieren? Diese Punkte sollten nicht nur angeboten werden, sondern auch als Verpflichtung gesehen werden.

Die Frage nach der Finanzierung stellt sich hierbei, wenn die Universitäten ihre Intelligenzpotenziale auf eine derartige Stufe erhöhen würden. Könnte ein derartiges Studium überhaupt von den Studierenden finanziert werden? Zu diesem Zweck schlägt Priddat ein Voucher-Modell vor: Der Student kauft sich für fünf Jahre ein Studium. An einer intelligenten Uni wird dann erst einmal drei Jahre klang intensiv studiert, um so schnellstmöglich an Geld zu kommen. Sollte die Karriere dann nicht so funktionieren wie gewünscht, geht man dann mit 35 Jahren eben noch mal für ein Jahr an die Universität zurück, um eine neue Bildung zu genießen. Eine Universität ist der einzige Ort, an dem das Denken auf hohem Niveau möglich ist. Birger Priddat rät sich das so lange wie möglich zu gönnen, auch immer wieder.

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