Plagiatsvorwürfe gegen das Netzwerk StudiVZ

Dem Netzwerk StudiVZ wird vom Betreiber des amerikanischen Studentennetzwerkes Facebook Diebstahl geistigen Eigentums vorgeworfen. Gegen die deutsche online Studenten-Vereinigung soll nun in Kalifornien Klage eingereicht werden. StudiVZ soll nicht nur Funktion und das Aussehen des Facebook kopiert haben, sondern auch dessen Dienste.

Die Hintergrund bei Facebook wird blau gehalten, StudiVZ hingegen setzt auf Rot. Laut eigenen Angaben hat StudiVZ beim Landgericht Stuttgart nun eine Gegenklage eingereicht, um so den Gerichtstand Deutschland zu sichern. Die Klageschrift aus Kalifornien soll 116 Seiten umfassen.

Speziell für Studierende wurde das Internetportal StudiVZ bzw. Studenten-Verzeichnis eingerichtet. Dieser Internetdienst wurde im Oktober 2005 von einigen Studenten aus dem Ruhrgebiet gegründet. Im StudiVZ geht es weniger um langweilige Studieninhalte, viel mehr steht das Zwischenmenschliche im Vordergrund: Hobbys, Partys und Urlaubsfotos, so präsentieren die Nutzer ein recht persönliches Bild von sich.

Bislang läuft das Prinzip: In weniger als drei Jahren ist die Zahl der Mitglieder, laut Angaben der Betreiber auf 5 Millionen gestiegen. Dadurch stellt das StudiVZ das erfolgreichste soziale Netzwerk in Deutschland dar.

Im vergangenen Jahr war StudiVZ dem Holtzbrinck-Verlag über 80 Millionen wert. Das liegt eindeutig an der Zielgruppe, die großes Potenzial besitzt. In ein bis zwei Jahren soll StudiVZ, durch speziell auf Studenten zugeschnittene Werbung, profitabel werden.

Das amerikanische Vorbild Facebook hat schon längst dieses Potenzial geweckt, dort werden mit derartiger Werbung bereits große Umsätze gemacht.

In letzter Zeit hatte das StudiVZ mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Zum Einen aufgrund mangelndem Datenschutz und technischen Sicherheitslücken, zum Anderen wegen bedenklicher rechtsextremen Inhalten und sexistischem Verhalten vieler männlicher Nutzer. Besonders die Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen hatte bei den Nutzern für Empörung gesorgt, denn durch die Änderung wurde der Verkauf von Personendaten zu Werbezwecken möglich gemacht.

Peter Schaar, Bundesbeauftragter für Datenschutz hatte zur Weitergabe der persönlichen Informationen aus Internetplattformen zu Werbezwecken bereits seine Kritik geäußert.

Der Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaften an der Universität Münster, Christoph Neuberger, hat zum Nutzungsverhalten im Netzwerk StudiVZ eine Studie aufgestellt. Dabei kam er zu der wichtigen Erkenntnis, dass ein Teil der Alltagskommunikation ins Internet verlagert wird. Dabei nutzen zwei Drittel der Studierenden nutzen das StudiVZ täglich, hauptsächlich um bereits bestehende Kontakte zu pflegen. Neuberger hält aber die Befürchtung, dass die Kommunikation per Mausklick die sozialen Kontakte ablösen, für überspitzt.

Zudem erkannte man bei der Studie, dass rund 80 Prozent der Befragten, das Netzwerk zum „Auskundschaften“ von Personen nutzen. Doch zugeben will das kaum jemand, zwei Drittel der Nutzer haben das eigene Profil so eingestellt, dass sie nicht auf fremden Seiten als Besucher angezeigt werden.

Mittlerweile machen sich auch Personalchefs das StudiVZ zu Nutze. Sie geben gerne die Namen der Bewerber im Internet ein und können so Konsequenzen ziehen, wenn sie auf „Peinlichkeiten“ stoßen.