Dual Studieren
Um sich einen erfolgreichen Start in das Berufsleben zu sichern, steht nach dem Schulabschluss die Entscheidung für eine weiterführende Ausbildung aus. Viele wollen nach der Schule erst einmal Geld verdienen und eine gesicherte Grundlage für ihr weiteres Berufsleben bilden und entscheiden sich daher für eine Berufausbildung. Andere möchten lieber das Wissen ihrer Interessensgebiete vertiefen und starten in ein Studium. Für viele Fachrichtungen gibt es in Deutschland die Möglichkeit eines dualen Studiums. Genauer beschrieben handelt es sich hierbei um eine Ausbildung, in die das Studium integriert wird. Das heißt, der Auszubildende absolviert eine Ausbildung und Betrieb und besucht zeitgleich eine Hochschule. Er erhält eine reguläre Ausbildungsvergütung. Die Kosten des Studiums werden ebenfalls von den jeweiligen Unternehmen getragen. Neben Universitäten und Fachhochschulen gibt es hier spezielle Berufsakademien sowie Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien. Bundesweit bieten ca. 40 Hochschulen duale Studiengänge an. Es gibt ca. 600 Studiengänge mit derzeit knapp 42.000 Studierenden. Die Zahl der anbietenden Hochschulen, angebotenen Studiengänge und Studenten steigt stetig an. Während das Studium an einer Universität sehr theoretisch belastet ist, ist es an einer Fachhochschule meist bereits sehr praxisorientiert. In vielen Studiengängen sind Praxissemester vorgeschrieben und der Studienbewerber muss oft schon vor Beginn ein Praktikum nachzuweisen. Die Grundidee des dualen Studiums ist somit, Theorie und Praxis in der Ausbildung in ein Gleichgewicht zu bringen. Der Student steht neben der theoretischen Lehre zeitgleich in Aktion, das Erlernte in seinem kooperierenden Unternehmen direkt in der Praxis anzuwenden. Im Gegensatz zu einem normalen Fachhochschulstudium ist der Lehrplan wesentlich strenger und kompakter. Der zeitliche Fahrplan wird in Rücksprache mit den Unternehmen erstellt, da sich die Hochschule an bestimmten Produktionsabläufen der Firmen orientieren muss. In den meisten Fällen erfolgen Besuch der Hochschule und Arbeit in der Firma im wöchentlichen Wechsel, um die Präsenz des Studierenden bei beiden Ausbildungsträgern gewährleisten zu können.Â
Welche Fächer? Die angebotenen Fächer gibt es vor allem in den drei übergreifenden Bereichen Wirtschaft, Informatik und Technik. Im Bereich Wirtschaft erfolgt eine Zusammenführung mit einem kaufmännischen Beruf, Informatik und Technik werden meist mit technischen Fächern kombiniert. Die einzelnen Studienfächer sind hier unter anderem: - Medienwirtschaft, Medienwissenschaften, Gesundheits- – und/oder Fitnessökonomie, Steuerrecht, Betriebswirtschaftslehre und Jura - Allgemeine Informatik, Wirtschaftsinformatik, medizinische Informatik und Medieninformatik - Elektrotechnik, Mechatronik, Bau- und Wirtschaftsingenieurwesen, Bio – und Mikrotechnologie und Maschinenbau In einigen Bundesländern gibt es zudem weitere Studiengänge im Bereich des Sozialwesens. Diese Studiengänge sind jedoch meist berufsbegleitend, das heißt, es gibt keinen gesonderten Abschluss.
Bewerbung Grundvoraussetzung für die Aufnahme eines dualen Studiums ist allgemeine Hochschulreife bzw. für einige Studiengänge die Fachhochschulreife. Als nächstes beginnt die Suche nach einem geeigneten Unternehmen. Dies gestaltet sich oft schwierig, da neben der normalen Ausbildungsvergütung noch die Studienkosten zu übernehmen sind. Außerdem muss der Azubi für den Zeitraum der Vorlesungen an der Hochschule entbehrt werden. Einige Hochschulen stehen in direkter Verbindung zu Unternehmen, welche fortlaufend Auszubildende in dualem Studium einstellen. Ebenfalls gibt es Listen, in denen mögliche kooperierende Firmen genannt werden, dies ist jedoch auch nur an einigen Hochschulen der Fall. Ist ein Ausbildungsbetrieb gefunden, so muss man sich im Anschluss direkt um die Aufnahme an der Hochschule bemühen. Zu beachten sind hier wieder bestimmte Termine, die vorab zu klären sind. Noch früher als bei der Bewerbung um einen reinen Studienplatz sollte hier mit der Bewerbung begonnen werden. Zum einen ist die Suche nach einem Unternehmen sehr zeitintensiv, zum anderen gibt es wesentlich mehr Bewerber für Studienplätze im dualen Studium, als es Angebote gibt. Die Chancen auf einen Studienplatz liegen aktuell bei einer Wahrscheinlichkeit von 70 zu 1, das heißt, dass nur die besten und engagiertesten Bewerber in die engere Auswahl kommen und in zu Gesprächen oder Einstellungstesten geladen werden. Neben der Aufnahme einer regulären Ausbildung ist es für einige Studiengänge des dualen Studiums erlaubt, die praktische Zeit im Rahmen eines Praktikums abzuleisten. Dieses Praktikum erfolgt nicht abschnittsweise, sondern soll wie die Ausbildung auch über den gesamten Verlauf des Studiums begleitend verlaufen. Oft ist ein Praktikumsplatz leichter zu finden als ein Ausbildungsplatz, da die Vergütung hier variabel ist.
Kommt ein duales Studium für mich in Frage?
Bei vielen Studiengängen steht dem Student frei, seinen Stundenplan nach eigenen Anforderungen in Eigenverantwortung zu gestalten. Ein duales Studium ist erfolgsorientiert und erfolgt nach einen festgesteckten Fahrplan: Die genauen Themen des Studiums sind vor- und zeitlich festgeschrieben. Auch der Einsatz im Unternehmen ist genau strukturiert. Der Student muss hoch motiviert sein und sich durch überdurchschnittliches Engagement einbringen. Bei einem regulären Studium erfolgt lediglich die Angabe einer Regelstudienzeit. Durch die Kombination aus Studium und Ausbildung bzw. Praktikum ist eine zeitliche Abweichung bei einem dualen Studium nicht möglich. Grundlegende Fähigkeit ist somit Organisationstalent, um den Überblick nicht zu verlieren. Die Studiendauer entspricht der eines normalen FH Studiums; und in dieser Zeit erfolgt die theoretische und praktische Ausbildung, was zur Folge hat, dass Semesterferien entfallen. Hohe Belastbarkeit ist eine Anforderung, um das Studium zu bewältigen. Die Beteiligung eines Ausbildungsträgers, der die Ausbildung finanziert verpflichtet den Studenten. Ebenso ist Flexibilität gefordert. Nur in den seltensten Fällen liegen Hochschule und Unternehmen am selben Ort bzw. in direkter Nähe zueinander.Die Entscheidung zu einem dualen Studium sollte dann gefällt werden, wenn ein hohes Maß an der Gewinnung von praxisorientiertem und nicht an forschungsorientiertem Wissen besteht. Vorteil eines dualen Studiums ist, dass früher und mehr Verantwortung an den Auszubildenden übertragen wird, als dies vielleicht bei Praktikanten oder normalen Azubis der Fall ist. Die Ausbildung bietet viel Abwechslung und motiviert zur Selbstständigkeit. Man liefert wertvolle Arbeit, die dem Unternehmen durch eine entfallende Einarbeitungszeit zugute kommt und verbessert seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Duales Studium – ja oder nein? Vor- und Nachteile in Stichpunkten Vorteile: - Erhalt einer regulären Ausbildungsvergütung- Übernahme der Studiengebühren- Fachorientierung und somit eine kurze Studien-/Ausbildungsdauer- Praxisnähe- Aktualität der Theorie aufgrund ständiger Beobachtung der Wirtschaftslage- gute Studienbedingungen durch gezielte Betreuung- gesicherter Arbeitsplatz durch hohe Übernahmewahrscheinlichkeit- bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt Nachteile: - Wissenschaftlichkeit und Forschung fehlen- enger Zeitplan, kaum Urlaub- finanzielle Verpflichtung gegenüber des Unternehmens- Verpflichtung zur Leistung gegenüber des Unternehmens- Freiheitsbeschränkung im Studium- keine Inanspruchnahme von BAföG möglich- schwierige Etablierung nach Abschluss des Studiums/der Ausbildung.








