Kongress zur Förderung von Rock- und Popmusik

Grafik BasicPop08-1Ist Popmusikförderung ihr Geld wert? Was ist Basisförderung in Abgrenzung zur Spitzenförderung? Welche Impulse sind von den Hochschulen im Bezug auf die basispopulären Inhalte zu erwarten?Solche und viele weitere Fragen werden vom 31. Oktober bis 2.November auf dem Kongress “Basic Pop 2008″ referiert und diskutiert.

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Lingua-World ins Ausland

lingua worldFranchise-Dependance in Wien
Der 24-Stunden Dolmetscher- bzw. Übersetzer- und Lokalisierungsservice Lingua-World eröffnet im Oktober seinen ersten Franchise-Betrieb in Österreich.

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Burgey Business Group steigt bei der BeSonic ein

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Die Burgey Business Group GmbH, das Venture Capital Unternehmen von Thilo Burgey, beteiligt sich mit 50% an der BeSonic GmbH.

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Deutsche Spitzenausbildung

semesterticket_notizen.jpgIm internationalen Vergleich fällt Deutschland bei der Ausbildung hochqualifizierter Nachwuchskräfte weit zurück. Read more

Amerika als Marke

semesterticket_fuller.jpgKeinem anderen Land ist es bislang gelungen so viele Nobelpreisträger hervorzubringen, wie die USA. Kein Land der Welt ist bei akademischem Nachwuchs dermaßen beliebt wie die USA. Für das akademische Jahr 2006/2007 stellte Washington knapp 600 000 Visa aus. Indien, China und Südkorea erhielten jedes vierte Visum. Wie das britische Bildungsnetzwerk QS (Quacquarelli Symonds) jährlich ermittelt, so wurden die hundert besten Universitäten weltweit wieder vin Harvard angeführt. Die Hochschulen Amerikas erreicht sechs der Top-Ten-Positionen. Auf der QS-Liste von 2007 fiel Heidelberg auf Platz 60, die Ludwig-Maximilians-Universität in München errechte Platz 65, auf Platz 66 die TU München.

In Deutschland wird Weltklassenforschung betrieben, erklärt der deutsche Atomphysiker Wolfgang Ketterle (50) ungeachtet der niedrigen Ränge. Im Jahr 1990 war er nach der Ausbildung in Heidelberg, München und Garching ging er als Postdoc nach Amerika. Noch heute forscht er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston. Ketterle holte für eine Entdeckung mit zwei Kollegen den Nobelpreis 2001 nach Deutschland. Er erklärt, dass Amerika mit einigen wenigen Eliteschulen glänzen kann. „Im Durchschnitt sind deutsche Universitäten aber besser”, macht er dabei deutlich.

Günter Blobel, Biochemiker und Nobelpreisträger von 1999, ist der Meinung, der Erfolg amerikanischer Universitäten liegt in den flexibleren Verwaltungsstrukturen. Er lobt den richtigen Weg Deutschlands, denn auch hier bemüht man sich, den Universitäten mehr Entscheidungsfreiheit zu geben. 1967 hatte er in den Vereinigten Staaten promoviert. Dort blieb er wurde amerikanischer Staatsbürger und forscht weiter, inzwischen 72 Jahre alt, an der Rockefeller Universität in New York. Dort wird ihm die Gelegenheit geboten, solange zu arbeiten wie er will und nicht wie Vorschriften es ihm diktieren, erklärt er.

Laut Angaben des Institute of International Education (Washington) wurden im Studienjahr 2006/2007 knapp 14,5 Milliarden Dollar also 9,8 Milliarden Euro in die Wirtschaft gegeben. Der Präsident des Institutes Allan E.Goodman berichtet der „New York Times”, dass Internationale Ausbildung den fünftgrößten Service Export, noch vor medizinischen Diensten, darstellt.

Amerikanische Hochschulen beauftragen Werbestrategen, von diesen erhalten die Markennamen und sorgen für Nachfrage. Positiv wirkt sich dabei die Weltsprache Englisch an und das sehr vielseitige Angebot an Studienfächern. Schafft ein Studieninteressierter die Aufnahme in einer dieser Universitäten wird er reich belohnt. Das „Wall Street Journal” schrieb, dass Absolventen Anfangsgehälter erhalten, die ein Drittel über den Gehältern von Absolventen weniger namhafter Hochschulen liegen.

Für manch einen zahlt sich das Studium in Amerika mit politischer Macht oder diplomatischem Einfluss aus. Die früheren UN-Generalsekretäre Kofi Annan (Ghana) und Boutros Boutros-Ghali (Agypten) wurden in Amerika geschult. Ebenso der derzeitige EU-Außenpolitiker und ehemalige Nato-Generalsekretär Javier Solana (Spanien) und auch vergangene Staats- und Regierungschefs wie Vicente Fox (Mexiko), Süleyman Demirel (Türkei) und Ehud Barak, Israels Vertreidigungsminister.

Studium? Auf nach Holland

semesterticket_notiz.jpgKein anderes Land zieht in den letzten drei Jahren so viele deutsche Studenten an wie die Niederlande. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2005 etwa 16 000 oder circa 16 Prozent aller deutscher Auslandsstudenten dort eingeschrieben. Peter Stegelmann, Chef der Website www.studieren-in-holland.de schätzt die Zahl der Studierenden im Studienjahr 2008/2009 auf bist zu 20 000. Ein großer Vorteil bietet sich den Studenten darin, dass es in den Niederlanden keinen NC gibt, während dieser in Deutschland steigt.

Ist die Abiturnote etwa zu schlecht, melden sich viele Studieninteressierte einfach in den Niederlanden an, auch wenn sie die Sprache nicht kennen. Anfangs oft schwer, doch schon nach einem dreiwöchigen Intensivkurs kann man den Alltag schon allein meistern und kann auch den Vorlesungen folgen.

Deutsche Studenten führen gern die detuschen Studienanfänger herum und stellen den Campus vor. Jeder Student hat in den Vorlesungssälen Anspruch auf einen Sitzplatz, der Professor wird geduzt. Hat der Student eine Frage, stellt er diese per Mail oder ruft den Prof auf dem Handy an.

Oft pendeln die deutschen Studenten täglich über die Grenze von Kalkar oder Kleve nach Nimwegen. Nimwegen ist eine Zusammenarbeit mit der Universität Essen-Duisburg eingegangen., dorthin wird sogar ein Pendelbus angeboten. Bei einem Besuch in Duisburg wuderte sich Judith Arns von der Beratungsstelle für deutsche Studenten jedoch, dass die Studierenden stolz auf ihre großen Vorlesungssäle seien. In den Niederlanden jedoch freuen sich die Studierenden auf ihre kleinen Vorlesungen. Eine Psychologie-Studentin erklärt sogar, dass in einem ihrer Seminare, auf jeden Studenten ein Dozent kam.

In Deutschland werben die niederländischen Universitäten aktiv, denn für jeden Studenten erhalten sie 6 500 Euro vom niederländischen Staat. Sollten die Studenten der Uni fern bleiben, gibt es weniger Geld und Stellen müsstengestrichen werden, so Stegelmann. Arns betont jedoch, dass es nicht allein um das Geld geht. Deutsche Studierende werden als kulturelle Bereicherung gesehen. Denn ihr Blickwinkel unterscheidet sich von denen der Niederländer, daraus entwickeln sich interessante Diskussionen. In den Universitäten der Niederlande wird der Fleiß und die Effizienz der Deutschen hoch gelobt, inzwischen seien sie sogar „locker” geworden.

Meist vermuten Studierenden einen Haken an der Sache, doch sie suchen diesen vergeblich. Im Einschreibbüro füllen sie ein Formular aus. In Maastricht wurden die Fakultäten in ehemaligen Kirchen und Klöstern aufgebaut doch von innen, ist alles neu, modern und sauber. Die Arbeitsräume der Studierenden sind mit Laptops und Beamer ausgestattet und die Geräte funktionieren. Dabei handelt es sich nicht um eine Privatuni und die Studiengebühren sind geringer als im benachbarten Nordrhein-Westfalen, zum Beispiel. Weiterhin werden Auslansaufenthalte garantiert und die Seminare werden mit höchsten 15 Teilnehmern abgehalten. Des Weiteren können die Studierenden die niederländische Studienfinanzierung erhalten, die nicht zurück gezahlt werden muss. Allerdings nur wenn mindestens acht Sunden in der Woche gearbeitet wird, doch nicht jeder Job wird anerkannt.

In Maastricht kennt man keine klassischen Vorlesungen, es wird „problemorientiert” gelernt. Dabei stellt der Professor ein Problem, eine Aufgabe oder eine Frage, die dann in Gruppen gemeinsam gelöst wird. So halten es die Niederländer, sowohl in der Medizin als auch in International Business.

Durch diese Herangehensweise kann effektiver gelernt werden, denn der Studierende durchforstet seine Fachliteratur unter bestimmten Gesichtspunkten und sucht Antworten. Dabei ist der Gedankenaustausch und die Zusammenarbeit mit Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen wichtig. Dabei werden die Gespräche auf Englisch geführt, Niederländisch ist da nciht zwingend notwendig.

Die Fachhochschule Fontys in Venlo, die nur 20 Autominuten von Duisburg entfernt ist, werden einige Studiengänge sogar in Deutsch angeboten. Dort sind 60 Prozent der 2000 Venloer Studenten Deutsche. Der stellvertretende Direktor Thomas Merz versichert, dass ees mit dem Niederrhein keine Probleme gibt. Weder Vorstand noch das niederländische Bildungsministerium haben sich dagegen geäußert.

Für die Regierung in Den Haag eröffnet sich hiermit ein volkswirtschaftlicher Nutzen. Denn vieole der deutschen Studierenden bleiben nach dem Studium dort, und werden dort als qualifizierte Arbeitskräfte tätig. Stegelmann macht deutlich, dass Studenten einer niederländischen Fachhochschule, zu 95 Prozent innerhalb drei Monate nach dem Abschluss, einen Job erhalten.

Studierende sind zufrieden

semesterticket_lachend.jpg Studierende der Universitäten und Hochschulen äußern sich positiv über die Qualität des Studiums. Noch immer wünschen sie sich aber eine bessere Betreuung im Studium, bessere Unterstützung beim Übergang in den Beruf und insgesamt mehr Praxisbezug. Das geht aus dem 10. Studierendensurveys zu „Studiensituation und studentischen Orientierungen“ hervor, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) veröffentlicht wurde. So erklärte die Bundesbildungsministerin Annette Schavan, dass Inhalte und Strukturen des Studiums positiv eingeschätzt werden. Besonders in diesen Gebieten sollen die Bemühungen der Länder und Hochschulen gesteigert werden.

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Ehrenkodex und Eid an der Uni

semesterticket_hand.jpgDas Sweet Briar College ist für Maria Jansen paradiesisch. Das riesige Campusgelände des Mädchencollege liegt zwischen Washington und den Blue Ridge Mountains. Rund dreizehn Quadratkilometer, vereinzelt bestückt mit kleinen Häusern. Doch es nicht die Landschaft von der Maria begeistert ist. Klausuren werden ohne Aufsichten geschrieben, manche Klausuren dürfen sogar mit nach Hause genommen werden.

Sogenannte „Take-Home-Exams“ ist eine von vielen neuen Erlebnissen an der Sweet Briar College, von denen sich Marias Heimatuniversität in Heidelberg unterscheidet. Um Betrug und Plagiaten entgegenzuwirken, setzt man hier auf rechtliche Vorschriften. Doch in Sweet Briar wird ein Eid geleistet. Während man Ehrenkodices in Deutschland in einigen Berufsgruppen antrifft, sind derartige selbstauferlegte Bestimmungen unter den Studenten nicht zu finden. Doch die USA setzt schon lange darauf.

Maria erklärt, wie stolz die Studentinnen auf ihren Ehrenkodex sind. Stolz sind sie zudem darauf, dass sie sich selbst um die Einhaltung des Kodex kümmern, das Studentenkomitee ist für die Verstöße zuständig. Thomas Jefferson, Gründungsvater der Vereinigten Staaten und einst Leiter des College William an Mary in Virginia, arbeitete Ende des 18. Jahrhunderts am womöglich ersten akademischen Ehrenkodex. Traditionsgemäß sollte nicht nur der Intellekt sondern auch die Moral geschult werden. Man bemühte sich aus „kleinen Jungs“ Ehrenmänner zu erziehen. Noch bevor Jefferson einen offiziellen Kodex einführte, existierten Regeln für ein ehrenhaftes Verhalten. Die Vorstellung aber, dass die Studenten selbst ihre Verhaltensregeln formulieren und über ihre Einhaltung wachen, lässt sich auf Jefferson zurückführen.

Dieser Grundsatz gilt heute noch, sowohl am College William and Mary als auch in Sweet Briar. Nachdem sich Maria Jansen und ihre Kommilitoninnen ihre Klausuren abgeholt haben, setzen sie sich in einen von fünf Klassenräumen, manche Klausuren dürfen sogar mit nach Hause genommen werden. Im Wohnheim auf dem Campus teilen sich stets zwei Studentinnen ein Zimmer. Wie viel Zeit den Studentinnen zur Bearbeitung der Fragen zur Verfügung steht, ist dem Prüfungsbogen zu entnehmen. Ob sich die Studentinnen daran halten, ist eine Frage der Ehre. Die Take-Home-Klausuren sind aber keine Freikarte zum Abschreiben. Das abgegebene Versprechen, nicht zu schummeln, wird nicht allein vom eigenen Gewissen sondern auch von den Kommilitoninnen bewacht. Beim Schreiben der Klausuren sind zwar keine Aufsichtspersonen da, doch die Studentinnen sitzen gemeinsam in einem Raum. Sie sind verpflichtet, jeglichen Betrug zu melden. So hält sich das System der Selbstkontrolle.

Die 25 Jahre alte Austauschstudentin studiert in Heidelberg Latein und Geschichte, in Amerika die amerikanische Kultur. Sie lernt die Schattenseiten von Sweet Briar dabei erscheint ihr die Institutionalisierung von Moral eher fragwürdig. Denn der Kodex sorgt dafür, dass weniger Fehler gezeigt werden und so Missstände verborgen bleiben. Für die amerikanischen Studentinnen ist der Kodex eine intakte Ordnung, Moral und Sitte werden eingehalten. Im College können die Studentinnen nicht ausmachen, von wem sie wann beobachtet werden.

Elke Geenen erklärt aber, dass im Idealfall solch eine ausufernde Kontrolle nicht sein muss. Die Privatdozentin für Soziologie an der Uni Kiel untersuchte das Wesen und das Prinzip des Ehrenkodices. Demnach ist ein wichtiges Merkmal, dass diese Regeln von innen heraus entwickelt werden- anders als Gesetze. Als eine Art Selbstkontrolle kann man sie bezeichnen. Dabei fürchten sich diejenigen nicht vor einer Strafe, sondern um den Verlust der eigenen Würde. Während einer akademischen Ausbildung gewinnen die Studierenden an Ansehen und Prestige, doch das können sie durch einen Fehler wieder verlieren. Hinzu kommt, dass sich der eigene Wert sich an den Maßstäben der Gruppe orientiert, mit „Ehre“ gelingt es demjenigen also sich selbst zu definieren. Die Soziologin erklärt, dass eine derartige Richtschnur wichtig ist, um seine Identität zu formen.

Nach den Erkenntnissen von Elke Geenen werden viele Ehrenkodices nicht explizit ausformuliert. Erst wenn man „aneckt“, erkennt man diese. Das amerikanische „Center for Academic Integrity“ hat in einer Studie herausgefunden, dass es an Unis, deren Kodex explizit formuliert wird, deutlich weniger zum Anecken als an anderen Universitäten. So werden ein Drittel bis die Hälfte weniger Täuschungsversuche unternommen. Im vergangenen Jahr wurden in Sweet Briar lediglich ein Dutzend Verstöße gegen den Ehrenkodex unternommen, neun Verstöße wurden von Dozenten gemeldet. Dass die Zahl so gering bleibt, lässt sich möglicherweise auch auf die Größe der Klassen zurückführen.

In Sweet Briar studieren derweil 620 junge Frauen, sie nennen ihr College „PinkBubble“. Maria Jansen berichtet hiervon, Pink Bubble, eine Seifenblase in dem sie leben. Der Vergleich lässt sich auf die Abgeschiedenheit des Campus zurückführen. Die nächste Stadt liegt knapp 20km entfernt, doch es fährt kein Bus dorthin. Daher lebt der Großteil der Studentinnen auf dem Campus und ihre Welt endet am Pförtnerhäuschen.

Die University of Virginia hat 16 000 Studenten und auch dort gilt ein Ehrenkodex. Michael Brunelle, studierte selbst in Madrid und New York und unterrichtet nun Spanisch in Sweet Briar. Er berichtet, dass man in Spanien nach der Rückgabe einer Klausur fragt, was einem der Professor gegeben hat, in Amerika jedoch fragt man, was man sich verdient hat. In Amerika stellen sich Studierenden als Einzelkämpfer heraus, es fehlt ihnen der Zusammenhalt in der Klasse. Anders als in Spanien beispielsweise, wo die gesamte Klasse gegen den Dozenten kämpft. Dazu erklärt die Soziologin, dass Amerikaner wegen ihrer hohen Mobilität und Flexibilität weniger tiefgehenden Bindungen eingehen und somit entsteht kein besonders enger Sozialverbund.

Geenen sieht die Notwendigkeit solcher Ehrenkodices auch in Deutschland. Besonders unter Bachelorstudenten, die dazu tendieren mit wenig Arbeitseinsatz und Begeisterung, das Studium abzuschließen. Hier sind die Dozenten gezwungen genauer zu prüfen, ob es sich bei Arbeiten um Plagiate handelt.

Maria aber sieht in einem Ehrenkodex keine Lösung gegen Faulheit und Unmotivation. Die Studentinnen in Sweet Briar würden um die Länge ihrer Hausarbeiten feilschen und erscheinen nicht zu Prüfungsterminen, wenn ihnen der Lernaufwand zu hoch ist.


Umstrukturierung: Zum Servicebüro!

semesterticket_enter.jpgAn der Goethe-Universität stellt der FB der Wirtschaftswissenschaften auf ihrer Internetseite das “Mission Statement” vor. Es liest sich wie eine Predigt: “Unsere Vision - ein Netzwerk der Exzellenz zu entwickeln und voranzutreiben. Unsere Mission - durch Forschung, Ausbildung und Beratung substanzielle Beiträge für Wirtschaft und Unternehmen in einer informationsgetriebenen Gesellschaft zu leisten.”

Mit viel rhetorischem Aufwand geschrieben, lässt es auf ein ernsthaftes Bemühen schließen, die Verwaltungseinheit in einen Dienstleistungsbetrieb umzuwandeln. Was Organisation angeht, gehören die Frankfurter Ökonomen zu den fortschrittlichsten Fachbereichen der Universität. Neben Dekan, Prodekan und Studiendekan, haben sie einen Dekan für Internationale Angelegenheiten und haben eine Geschäftsführerin mit Verwaltungs- und Planungsaufgaben beauftragt. Dieses Amt wird von Antje Judt übernommen, sie erklärt dass das Ziel darin liegt, sich zu einem “professionellem Unternehmen weiterzuentwickeln”.

Den Plan unterstützt Judt beispielsweise mit dem koordinieren von EDV-Projekten oder Bauvorhaben. Während früher das Dekanat administrative und technische Aufgaben and die Professoren weitergeschoben hat, ist man nun bemüht alles wieder “umzudrehen”, erklärt die Geschäftsführerin. Künftig müssten Lehrstuhlinhaber keine Hiwis für die Wartung ihrer Computer beschäftigen, sondern könnten sich die Unterstützung aus dem fachbereichseigenen IT-Zentrum holen.

Judt bemüht sich den Professoren und den Studierenden einen bestmöglichen Service zu bieten. Der Universitätspräsident Rudolf Steinberg steht voll hinter dieser Idee und macht deutlich, dass die Reformen in den Fachbereichen nötig sind, um einer Abwanderung von Forschern ins Ausland entgegen zu wirken. Dabei berichtet er, dass Wissenschaftler, die beispielsweise nach Amerika gehen, sich so von den “unsäglichen Verwaltungsarbeiten” befreien wollen.

Auch die Dekane würden sich auf Entlastung freuen. Die Zeit wird bei ihren organisatorischen Pflichten knapp für Forschung und Lehre. An der Stiftungsuniversität, die um Sponsoren wirbt werden Repräsentation und Kontaktpflege immer wichtiger, daher sind die Wirtschaftswissenschaftler auf eine Premiere bedacht und der Universitätskanzler Hans Georg Mockel bestätigt, dass am Fachbereich ein hauptamtlicher Dekan eingestellt werden soll.

Nach Mockels Ansicht, wäre ein nach Frankfurt berufener Fakultätsleiter, der lange genug in dieser Funktion bleibt, in der Lage mehr Kontinuität zu schaffen. Außerdem hätte ein Hauptamtlicher keine “Schwierigkeiten” bei der Ressourcenverteilung, da er ja selbst weder forscht noch lehrt. Der Kanzler betont aber, dass es sich bei einem solchen Manager trotzdem um einen Professor handeln sollte.

Eine derartige Lösung erscheint auch den anderen Fachbereichen der Goethe-Universität als vorteilhaft. Volker Müller, Dekan der Biowissenschaftler fände es “hervorragend”. Dort wurde erst neulich eine Organisationsreform durchgeführt. Seit 2005 gibt es nicht mehr die klassischen Abteilungen für Zoologie und Botanik, Mikrobiologie und Ökologie. Es sind lediglich drei Institute: eines bestehend aus Ökologie, Evolution und Diversität, eines speziell für Zellbiologie und Neurowissenschaften und letztlich ein Institut für molekulare Biowissenschaften.

Müller gibt zu, dass die Zusammenführung “nicht einfach” war, doch diese hat sich als richtig erwiesen. Er erklärt wie diese Zusammenführung zum Einen für die Weiterentwicklung der Biologie stehe und zum Anderen können hierdurch neue Forschungsschwerpunkte gebildet werden und die Lehre kann auf das Bachelor-Master-System umgestellt werden.

An der Universität Mainz hört man Ähnliches, sobald man sich nach den Folgen der Fachbereichsreform erkundigt. Seit dem Jahr 2002 wurde ihre Zahl von 19 auf elf runtergesetzt. Der Fachbereich Philosophie und Philologie bildet mit 6 100 Erstfachstudenten die größte Einheit. Darin sind Disziplinen wie Germanistik und Indologie, Theaterwissenschaft und Orientkunde enthalten. Dekanin Mechthild Dreyer äußert sich positiv über die Entwicklung. So können Forschungsprojekte einfacher vernetzt werden und bei der Einführung neuer Studiengänge werden “Synergieeffekte” genutzt. Weiterhin können Stellen eines großen Fachbereiches so flexibler besetzt werden. Zudem haben die Institutsbibliotheken aufgrund der organisatorischen Zusammenführung ihre Öffnungszeiten verlängern können.

Dreyer und Universitäts-Vizepräsident Jürgen Oldenstein sind sich einig, dass die Einrichtung eines “Fachbereichs-Servicebüros” sich bewährt hat. Beispielsweise werden dort Personalangelegenheiten der nichtbeamteten Mitarbeiter erledigt, was früher Aufgabe der Zentralverwaltung gewesen ist. Oldenstein gibt zu, dass man zunächst nicht an den Erfolg der Fachbereichs-Fusion geglaubt hat.

Skeptisch waren besonders die Sozial- und Sportwissenschaftler. Sie befürchteten eine Benachteiligung durch den neuen Verbund. Dekan Volker Wolff hielt nach seinen Einschätzungen die Sorge für unbegründet. Zunächst hielt auch der Journalistikprofessor wenig von der Umstrukturierung, doch hat bei Publizisten, Soziologen und Sportlern einen “erstaunlichen Geist der Zusammenarbeit” entdeckt.

Wo sind die Studenten hin?

semesterticket_studieren.jpgBislang ist der “Run” der geburtenstarken Schulabgängerjahrgänge auf de Hochschulen Deutschlands ausgeblieben. Obwohl in allen Prognosen die Rede vom “Studentenberg” war. Zahlreiche Unis haben die Türen dicht gemacht und den Zugang zum Studium mit hohen Zulassungsbeschränkungen erschwert bzw. versperrt. Im letzten Jahr wurden im Vergleich zum Jahr 2003 zwar 17 Prozent mehr Abiturienten und Jugendliche mit Fachhochschulreife gezählt doch auch fünf Prozent weniger Studienanfänger.

Die Zahlen sind im Hinblick auf den steigenden Akademikermangel, Stoff für den “Bildungsgipfel” von Kanzlerin Angela Merkels (CDU) und dem Länder-Ministerpräsidenten Ende Oktober in Dresden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) deutet darauf hin, dass sich in den letzten drei Jahren 60 000 und 180 000 junge Menschen gegen ein Studium entschieden haben, je nach dem ob die Abiturienten-Übertrittsquote zum Studium bei 75 oder bei 85 Prozent gesetzt wird. Derzeit berechnet der KMK eine neue Prognose.

Das Bafög war im Jahr 2002 grundlegend reformiert worden. Der Schlagerstar Guildo Horn warb auf großen Plakaten für neue Förderungsmöglichkeiten und rief: “Nutze Deine Chance - Du erreichst Dein Ziel”. Im folgenden Jahr wurden insgesamt 377 504 Neueinschreibungen gezählt, was einen Anfängerrekord hervorbrachte. Während die Abiturientenzahlen aus den geburtenstarken Jahrgängen stetig gestiegen sind, hätten auch die Anfängerzahlen an Hochschulen steigen müssen. Stattdessen wurden zwischen den Jahren 2004 und 2006 deutlich weniger Hochschulanfänger gezählt. Ein leichtes Plus erreichte man dann 2007 mit 358 673 Anfängern. Die von der Politik geäußerte These einer “Trendwende” erscheint Hochschulforschern jedoch zu voreilig.

Die Ausweitung des örtlichen Numerus Clausus und die “Entmachtung” der Dortmunder Zentralstele für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS), über ihre genaue Ausweitung gibt es derzeit kaum verlässliche Angaben. Doch neben dem Numerus Clausus wird eine Vielzahl von Gründen genannt, die für das Ausbleiben des Anfängerbooms zuständig sind. Bei einer Umfrage des Hochschul-Informations-System (HIS) gab jeder vierte Studienverzichtler zu, wegen den Studiengebühren auf ein Studium zu verzichten. Studiengebühren werden mittlerweile von in sieben von 16 Bundesländern erhoben. Das Statistische Bundesamt verwies darauf, dass die Studienzurückhaltung in unionsgeführten Gebührenländern größer ist als in gebührenfreien Ländern.

Weitere Gründe sind zudem, das neue Studentenauswahlrecht der Hochschulen, welches bei der Einschreibung zu großem Durcheinander führte und die für Studieninteressierte unklare Finanzierung des Studiums und des Lebensunterhalts. Zwischen den Abiturienten hat sich der Gedanke verbreitet, dass in straff organisierten Bachelor- Studiengängen kaum noch Zeit für Nebenjobs besteht. Zum ersten Mal nach fünf Jahren wird das Bafög zum ersten Oktober 2008 wieder erhöht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fand in einer Studie jedoch heraus, dass die Erhöhung des Bafögs nicht für einen Zuwachs der Studierquote ausreichend sei. Die Fördersätze und Freibeträge würden nur inflationsbedingt angepasst sein.

Besonders Universitäten sind derweil mehr auf ihre Forschung bedacht, als auf die Aufnahme weiterer Studenten. Dieser Trend wurde durch die Exzellenzinitiative zur Förderung der Spitzenförderung, die rund 1,9 Milliarden gekostet hat und dem daraus entstehenden Wettbewerb verstärkt. Anders als sonst tritt die Hochschulrektorenkonferenz aggressiv auf und hält standhaft am scharfen Numerus Clausus fest. Der Deutsche Hochschulverband bzw. die Berufsvertretung der Uni-Professoren hat errechnet, dass in den vergangenen zehn Jahren die Länder rund 1 500 Professorenstellen haben streichen lassen, obwohl die steigenden Abiturientenzahlen bekannt waren.

Dem im Jahr 2007 beschlossenen Hochschulpakt haben die Länder zugesagt und wollen bis zum Jahr 2010 insgesamt 91 000 zusätzliche Studienplätze geschaffen haben. Derzeit wird noch über die Fortschreibung des Paketes bis 2020 verhandelt. Der Bund ist finanziell schon für das vergangene und auch für dieses Jahr in Vorleistung getreten um für jeden neu geplanten Studienplatz 11 000 Euro zu zahlen. Das Paktziel verfehlen im ersten Jahr besonders große Flächenländer im alten Bundesgebiet. Anstatt der 13 000 Plätze in der ersten Ausbaustufe, die für das Jahr 2007 verabredet wurden, gab es bundesweit nur 2 500 Plätze mehr. Ab 2009 müssen die Länder, die ihr Ziel nicht erreichen konnten, dann die zu viel gezahlten Bundessubventionen zurückzahlen.

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