Umstrukturierung: Zum Servicebüro!

semesterticket_enter.jpgAn der Goethe-Universität stellt der FB der Wirtschaftswissenschaften auf ihrer Internetseite das “Mission Statement” vor. Es liest sich wie eine Predigt: “Unsere Vision - ein Netzwerk der Exzellenz zu entwickeln und voranzutreiben. Unsere Mission - durch Forschung, Ausbildung und Beratung substanzielle Beiträge für Wirtschaft und Unternehmen in einer informationsgetriebenen Gesellschaft zu leisten.”

Mit viel rhetorischem Aufwand geschrieben, lässt es auf ein ernsthaftes Bemühen schließen, die Verwaltungseinheit in einen Dienstleistungsbetrieb umzuwandeln. Was Organisation angeht, gehören die Frankfurter Ökonomen zu den fortschrittlichsten Fachbereichen der Universität. Neben Dekan, Prodekan und Studiendekan, haben sie einen Dekan für Internationale Angelegenheiten und haben eine Geschäftsführerin mit Verwaltungs- und Planungsaufgaben beauftragt. Dieses Amt wird von Antje Judt übernommen, sie erklärt dass das Ziel darin liegt, sich zu einem “professionellem Unternehmen weiterzuentwickeln”.

Den Plan unterstützt Judt beispielsweise mit dem koordinieren von EDV-Projekten oder Bauvorhaben. Während früher das Dekanat administrative und technische Aufgaben and die Professoren weitergeschoben hat, ist man nun bemüht alles wieder “umzudrehen”, erklärt die Geschäftsführerin. Künftig müssten Lehrstuhlinhaber keine Hiwis für die Wartung ihrer Computer beschäftigen, sondern könnten sich die Unterstützung aus dem fachbereichseigenen IT-Zentrum holen.

Judt bemüht sich den Professoren und den Studierenden einen bestmöglichen Service zu bieten. Der Universitätspräsident Rudolf Steinberg steht voll hinter dieser Idee und macht deutlich, dass die Reformen in den Fachbereichen nötig sind, um einer Abwanderung von Forschern ins Ausland entgegen zu wirken. Dabei berichtet er, dass Wissenschaftler, die beispielsweise nach Amerika gehen, sich so von den “unsäglichen Verwaltungsarbeiten” befreien wollen.

Auch die Dekane würden sich auf Entlastung freuen. Die Zeit wird bei ihren organisatorischen Pflichten knapp für Forschung und Lehre. An der Stiftungsuniversität, die um Sponsoren wirbt werden Repräsentation und Kontaktpflege immer wichtiger, daher sind die Wirtschaftswissenschaftler auf eine Premiere bedacht und der Universitätskanzler Hans Georg Mockel bestätigt, dass am Fachbereich ein hauptamtlicher Dekan eingestellt werden soll.

Nach Mockels Ansicht, wäre ein nach Frankfurt berufener Fakultätsleiter, der lange genug in dieser Funktion bleibt, in der Lage mehr Kontinuität zu schaffen. Außerdem hätte ein Hauptamtlicher keine “Schwierigkeiten” bei der Ressourcenverteilung, da er ja selbst weder forscht noch lehrt. Der Kanzler betont aber, dass es sich bei einem solchen Manager trotzdem um einen Professor handeln sollte.

Eine derartige Lösung erscheint auch den anderen Fachbereichen der Goethe-Universität als vorteilhaft. Volker Müller, Dekan der Biowissenschaftler fände es “hervorragend”. Dort wurde erst neulich eine Organisationsreform durchgeführt. Seit 2005 gibt es nicht mehr die klassischen Abteilungen für Zoologie und Botanik, Mikrobiologie und Ökologie. Es sind lediglich drei Institute: eines bestehend aus Ökologie, Evolution und Diversität, eines speziell für Zellbiologie und Neurowissenschaften und letztlich ein Institut für molekulare Biowissenschaften.

Müller gibt zu, dass die Zusammenführung “nicht einfach” war, doch diese hat sich als richtig erwiesen. Er erklärt wie diese Zusammenführung zum Einen für die Weiterentwicklung der Biologie stehe und zum Anderen können hierdurch neue Forschungsschwerpunkte gebildet werden und die Lehre kann auf das Bachelor-Master-System umgestellt werden.

An der Universität Mainz hört man Ähnliches, sobald man sich nach den Folgen der Fachbereichsreform erkundigt. Seit dem Jahr 2002 wurde ihre Zahl von 19 auf elf runtergesetzt. Der Fachbereich Philosophie und Philologie bildet mit 6 100 Erstfachstudenten die größte Einheit. Darin sind Disziplinen wie Germanistik und Indologie, Theaterwissenschaft und Orientkunde enthalten. Dekanin Mechthild Dreyer äußert sich positiv über die Entwicklung. So können Forschungsprojekte einfacher vernetzt werden und bei der Einführung neuer Studiengänge werden “Synergieeffekte” genutzt. Weiterhin können Stellen eines großen Fachbereiches so flexibler besetzt werden. Zudem haben die Institutsbibliotheken aufgrund der organisatorischen Zusammenführung ihre Öffnungszeiten verlängern können.

Dreyer und Universitäts-Vizepräsident Jürgen Oldenstein sind sich einig, dass die Einrichtung eines “Fachbereichs-Servicebüros” sich bewährt hat. Beispielsweise werden dort Personalangelegenheiten der nichtbeamteten Mitarbeiter erledigt, was früher Aufgabe der Zentralverwaltung gewesen ist. Oldenstein gibt zu, dass man zunächst nicht an den Erfolg der Fachbereichs-Fusion geglaubt hat.

Skeptisch waren besonders die Sozial- und Sportwissenschaftler. Sie befürchteten eine Benachteiligung durch den neuen Verbund. Dekan Volker Wolff hielt nach seinen Einschätzungen die Sorge für unbegründet. Zunächst hielt auch der Journalistikprofessor wenig von der Umstrukturierung, doch hat bei Publizisten, Soziologen und Sportlern einen “erstaunlichen Geist der Zusammenarbeit” entdeckt.

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