Studium gleich Tortur
Der Bologna Prozess wollte mit dem Bachelor-Studium ein kurzes und attraktives Studium ermöglichen.
Der Bologna Prozess wollte mit dem Bachelor-Studium ein kurzes und attraktives Studium ermöglichen. So sollte es mehr jungen Menschen gelingen, das Studium erfolgreich zu absolvieren. Soweit die Theorie, doch in der Praxis sieht es ganz anders aus.
Die europĂ€ischen Bildungsminister schlossen sich 1999 in Bologna zusammen, um einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen. So ist das gestufte Studiensystem aus Bachelor und Master entstanden, deren AbschlĂŒsse europaweit vergleichbar sind. Nach sechs Semestern sollen nun die jungen Menschen fit fĂŒr den Arbeitsmarkt sein.
Die AttraktivitÀt des Studiums hÀlt sich in Grenzen, denn zahlreiche StudiengÀnge wurden umetikettiert und die LehrplÀne wurden nicht gestrafft. Die Studierenden sind nun gezwungen, das was vorher in vier Jahren gelernt wurde, nun in drei Jahren zu schaffen. Nicht nur die Freizeit der Studierenden leidet darunter, insgesamt wachsen der Stress und der Druck.
Beinahe ein Drittel der Bachelor-Studenten hĂ€lt dem Druck nicht stand, 21 Prozent von ihnen bricht das Studium vorzeitig ab, bei 30 Prozent liegt die Abbrecherquote in den neuen BundeslĂ€ndern. Besonders hart trifft es Fachhochschulen, dort geben 39 Prozent der Bachelor-Studenten auf, obwohl ein groĂer FachkrĂ€ftemangel besteht, ereignen sich StudienabbrĂŒche besonders oft in den Ingenieurwissenschaften. Der PrĂ€sident des Deutschen Studentenwerks, Professor Rolf Dobischat erklĂ€rt, dass besonders in den Ingenieurwissenschaften Kinder aus der Mittelschicht und aus einkommensschwachen Familien. Hier macht die Studienfinanzierung besonders Probleme, die Studierenden mĂŒssen zum groĂen Teil nebenbei arbeiten. Wenn jedoch schon rund 60 Wochenstunden in das Studium investiert wird, reichen die KrĂ€fte kaum noch fĂŒr Weiteres und der Student ist am Ende seiner KrĂ€fte.
Auch von den LehrkrĂ€ften ist mittlerweile der Missstand erkannt worden. Professor Wolfgang EĂbach von der Uni Freiburg ĂŒbt krĂ€ftig Kritik an der Reform, einen âSchuss nach hinten” habe man damit gemacht. Die zahlreichen Ziele der Reform konnten nicht erfĂŒllt werden, ganz im Gegenteil, die Studierenden bĂŒĂen ihre MobilitĂ€t ein und eine BerufsbefĂ€higung ist nicht gegeben. Zudem hat sich das âBulimie-Learning” verbreitet, die Studenten lernen groĂe Mengen an Stoff und âspucken” das zur PrĂŒfung aus, es bleibt jedoch nichts hĂ€ngen.
Wie es scheint kann nur jemand, der finanziell gut gestellt ist und Stressresistenz aufweist, ein Studium aufnehmen. Man kann zwar nicht davon ausgehen, dass die Hochschulreform gescheitert ist, dennoch muss besonders an den Fachhochschulen und in einigen StudiengÀngen, insgesamt die Gestaltung der Bachelor-StudiengÀnge verbessert werden.








