Studium? Auf nach Holland
Kein anderes Land zieht in den letzten drei Jahren so viele deutsche Studenten an wie die Niederlande. Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2005 etwa 16 000 oder circa 16 Prozent aller deutscher Auslandsstudenten dort eingeschrieben. Peter Stegelmann, Chef der Website www.studieren-in-holland.de schätzt die Zahl der Studierenden im Studienjahr 2008/2009 auf bist zu 20 000. Ein großer Vorteil bietet sich den Studenten darin, dass es in den Niederlanden keinen NC gibt, während dieser in Deutschland steigt.
Ist die Abiturnote etwa zu schlecht, melden sich viele Studieninteressierte einfach in den Niederlanden an, auch wenn sie die Sprache nicht kennen. Anfangs oft schwer, doch schon nach einem dreiwöchigen Intensivkurs kann man den Alltag schon allein meistern und kann auch den Vorlesungen folgen.
Deutsche Studenten führen gern die detuschen Studienanfänger herum und stellen den Campus vor. Jeder Student hat in den Vorlesungssälen Anspruch auf einen Sitzplatz, der Professor wird geduzt. Hat der Student eine Frage, stellt er diese per Mail oder ruft den Prof auf dem Handy an.
Oft pendeln die deutschen Studenten täglich über die Grenze von Kalkar oder Kleve nach Nimwegen. Nimwegen ist eine Zusammenarbeit mit der Universität Essen-Duisburg eingegangen., dorthin wird sogar ein Pendelbus angeboten. Bei einem Besuch in Duisburg wuderte sich Judith Arns von der Beratungsstelle für deutsche Studenten jedoch, dass die Studierenden stolz auf ihre großen Vorlesungssäle seien. In den Niederlanden jedoch freuen sich die Studierenden auf ihre kleinen Vorlesungen. Eine Psychologie-Studentin erklärt sogar, dass in einem ihrer Seminare, auf jeden Studenten ein Dozent kam.
In Deutschland werben die niederländischen Universitäten aktiv, denn für jeden Studenten erhalten sie 6 500 Euro vom niederländischen Staat. Sollten die Studenten der Uni fern bleiben, gibt es weniger Geld und Stellen müsstengestrichen werden, so Stegelmann. Arns betont jedoch, dass es nicht allein um das Geld geht. Deutsche Studierende werden als kulturelle Bereicherung gesehen. Denn ihr Blickwinkel unterscheidet sich von denen der Niederländer, daraus entwickeln sich interessante Diskussionen. In den Universitäten der Niederlande wird der Fleiß und die Effizienz der Deutschen hoch gelobt, inzwischen seien sie sogar „locker” geworden.
Meist vermuten Studierenden einen Haken an der Sache, doch sie suchen diesen vergeblich. Im Einschreibbüro füllen sie ein Formular aus. In Maastricht wurden die Fakultäten in ehemaligen Kirchen und Klöstern aufgebaut doch von innen, ist alles neu, modern und sauber. Die Arbeitsräume der Studierenden sind mit Laptops und Beamer ausgestattet und die Geräte funktionieren. Dabei handelt es sich nicht um eine Privatuni und die Studiengebühren sind geringer als im benachbarten Nordrhein-Westfalen, zum Beispiel. Weiterhin werden Auslansaufenthalte garantiert und die Seminare werden mit höchsten 15 Teilnehmern abgehalten. Des Weiteren können die Studierenden die niederländische Studienfinanzierung erhalten, die nicht zurück gezahlt werden muss. Allerdings nur wenn mindestens acht Sunden in der Woche gearbeitet wird, doch nicht jeder Job wird anerkannt.
In Maastricht kennt man keine klassischen Vorlesungen, es wird „problemorientiert” gelernt. Dabei stellt der Professor ein Problem, eine Aufgabe oder eine Frage, die dann in Gruppen gemeinsam gelöst wird. So halten es die Niederländer, sowohl in der Medizin als auch in International Business.
Durch diese Herangehensweise kann effektiver gelernt werden, denn der Studierende durchforstet seine Fachliteratur unter bestimmten Gesichtspunkten und sucht Antworten. Dabei ist der Gedankenaustausch und die Zusammenarbeit mit Studenten aus verschiedenen Ländern und Kulturen wichtig. Dabei werden die Gespräche auf Englisch geführt, Niederländisch ist da nciht zwingend notwendig.
Die Fachhochschule Fontys in Venlo, die nur 20 Autominuten von Duisburg entfernt ist, werden einige Studiengänge sogar in Deutsch angeboten. Dort sind 60 Prozent der 2000 Venloer Studenten Deutsche. Der stellvertretende Direktor Thomas Merz versichert, dass ees mit dem Niederrhein keine Probleme gibt. Weder Vorstand noch das niederländische Bildungsministerium haben sich dagegen geäußert.
Für die Regierung in Den Haag eröffnet sich hiermit ein volkswirtschaftlicher Nutzen. Denn vieole der deutschen Studierenden bleiben nach dem Studium dort, und werden dort als qualifizierte Arbeitskräfte tätig. Stegelmann macht deutlich, dass Studenten einer niederländischen Fachhochschule, zu 95 Prozent innerhalb drei Monate nach dem Abschluss, einen Job erhalten.








