Mit Highheels zum Prof

semesterticket_rot.jpgPure Konzentration herrscht im Universitätssaal. Alle Augen sind auf den Professor gerichtet.

Eine Stecknadel könnte man hier fallen hören. Oder doch eher das vibrierende, gar klingelnde, Handy vom Studenten in letzter Reihe?!

Immer weniger wird auf die Etikette und das Benehmen im Unterricht Wert gelegt. Dies belegte Professor Herfried Münkler für Theorie der Politik an der Humboldt-Universität in Berlin.
Immer öfter kommt es vor, dass die Studenten die Umgangsformen schon vergessen haben. Grund dafür ist die wachsende Dreistigkeit in den Lehrveranstaltungen.
Hier gilt eher das Motto “Solang das Thema interessant ist, kann ich ja bleiben und zuhören”. “Zuhören” und “aufpassen” sind jedoch zwei relative Begriffe. Die Störenfriede selbst bemerken oft nicht, dass sie den Unterricht stören.

Münkler findet es eine Unart, wenn Studenten permanent an ihren Flaschen kleben und schließlich dann fragen, ob sie austreten dürften.
Es ist eine reine Konzentrationsunterbrechung, wie für Studenten als auch für den Professor der einen Vortrag hält. Meistens verliert man den Faden und muss von Vorne beginnen.
Besonders bei vollbesetztem Saal bei einer Vorlesung mit 200 Zuhörern ist es fatal, da dies fast durchgehend geschieht. Hinzu kommt noch das laute Durchdrängeln und die knarrenden Stühle. Dann kann es leicht geschehen, dass die Aufmerksamkeit und auch die Lust schwindet.

Neben Handys und dem ständigen öffnen der Getränke, tragen auch Laptops zum Störfaktor bei. “Ständiges rumhämmern auf der Tastatur ist einfach unmöglich”, berichtet der Professor. Akzeptabel sei es, wenn jemand mitschreiben möchte, aber nicht wenn der Student mitten im Unterricht im Internet surft.

Diese Faktoren stören viele beim Lernen, besonders im eigenständigem lernen in der Bibliothek. Denn hier ist besonders viel Konzentration gefragt. Diese kann durch auf dem Boden klopfende Absätze von Highheels schnell verloren gehen.
Wozu man überhaupt sich so elegant kleidet um sich Wissen anzueignen kann Münkler nicht verstehen. Jedoch ist es an seiner Universität auch nicht anders.

Studenten versuchen Respekt gegenüber den Lehrern aufzubringen, jedoch verstehen die meisten Studenten darunter, keine obszönen und lauten Klingeltöne abspielen zu lassen.
Respekt hat etwas mit Rücksichtnahme zutun. Rausreißen der Blätter in Zeitschriften oder Büchern sollte man stets unterlassen, genau wie die oben genannten Fakten. Viele Studenten machen sich darüber meist gar keine Gedanken.

Benehmen und Etikette kann man in Knigges Büchern nachlesen, doch soweit sollte es nie kommen, denn Kollegialität ist eine Selbstverständlichkeit. Eine Universität sollte nicht zu förmlich werden, dort sollten die Studenten ihre Persönlichkeit entfalten können und die Freiheit genießen.

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