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An der Humboldt-Universität Berlin können die Betriebswirtschaftler selbst entscheiden

An der Humboldt-Universität Berlin können die Betriebswirtschaftler selbst entscheiden, ob sie ihre Klausuren in Englisch oder in Deutsch schreiben wollen. Die Vorlesungen bei Richard Stehle, der internationales Bankmanagement unterrichtet, werden jedoch in Englisch gehalten. Die Studierenden stammen aus den verschiedensten Teilen der Weil, sie alle machen sich währenddessen Notizen auf Englisch und auf Deutsch. Zudem sind die meisten Lehrbücher auch auf Englisch, diese sind gut verständlich, da sie für ein internationales Publikum geschrieben worden sind. Die Studierenden haben keine Probleme damit, denn bei Unverständlichkeiten besteht jederzeit die Möglichkeit auf Deutsch zu fragen. Da der Großteil der Studenten an Seminaren und Vorlesungen auf Englisch Interesse haben, werden diese so weitergeführt werden. Die Studierenden wollen ins Ausland, so sind englischsprachige Vorlesungen sehr vorteilhaft für sie. Die Hausarbeiten von mehr als zwei Drittel der Studierenden wurden auf Englisch geschrieben und abgegeben. Die Lehrkräfte lassen die Studenten zunächst in kleinen Gruppen über Themen diskutieren, um ihnen so Hemmungen zu nehmen. Dann werden die Themen vor der anderen präsentiert, dabei hat kaum jemand den Wunsch, auf Deutsch vorzutragen.

Aus einer Studie über die „Aspekte der Internationalität deutscher Hochschulen” des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) geht hervor, dass 82 Prozent der deutschen Studenten die eigenen Englischkenntnisse mit „mindestens gut” einschätzen. So schätzen angehende Lehrer, Sprach- und Kulturwissenschaftler, Juristen und Ökonomen ihre eigenen Fremdsprachenkenntnisse mit „besonders gut” ein. In einem Seminar über die Sprachpolitik der Europäischen Union an der Uni Duisburg wurde festgestellt, dass sich zwei Drittel der Anwesenden nicht mehr an der Debatte beteiligen, sobald ins Englische gewechselt wird. Demnach haben manche gravierende Schwierigkeiten mit der englischen Sprache. Wörter wie „interviewee” (Interviewer) und „aftermath” (Folge) sind dem ein oder anderen völlig unbekannt. Verantwortliche regen aus diesem Grund zu englischsprachigen Abenden an, Wissenschaftler und Studierende sollten sich öfter zum Sprachtraining treffen.

Der Germanist und Präsident der Gesellschaft für Angewandte Linguistik, Ulrich Ammon vermutet, dass es für deutsche Wissenschaftler möglicherweise sogar als „demütigend” empfunden wird, Englisch zu reden. Denn Deutsch sei überall schon als Wissenschaftssprache anerkannt. Ein rein deutschsprachiges Vorlesungsverzeichnis lässt sich jedoch nicht mehr herstellen. Seit dem Jahr 2002 ist mit dem „Academic Cooperation Association” in Brüssel in ganz Europa, eine Verdreifachung der Studiengänge festzustellen. In nicht englischsprachigen Ländern wird daher auch das Englisch angeboten. Die Studie hat in Deutschland 415 solcher Programme finden können. Zum Einen werden hierdurch ausländische Studenten ins Land geholt, daher auch Etablierung der englischen Sprache als akademische Unterrichtssprache in den Niederlanden und in Nordeuropa. Zum Anderen stellen englischsprachige Seminare und Vorlesungen, eine gute Vorbereitungen auf das spätere Berufsleben dar.

Ulrich Ammon fast zusammen und verdeutlicht, dass man ohne Englisch quasi „isoliert” ist. Es leuchtet ein, dass man im Beruf kaum eine internationale Konferenz besuchen wird, wenn man die Vorträge nicht verstehen kann. Dabei sollte einem gleichzeitig bewusst sein, dass das große Angebot englischsprachiger Seminare bei uns, das Interesse an Deutschlandkursen außerhalb Deutschlands schmälern könnte. Für Beziehungen zwischen den Nationen sind diese jedoch sehr wichtig, Gaststudenten sollten daher mindestens über Basiskenntnisse der deutschen Sprache verfügen.

Auf der anderen Seite fehlt es deutschen Studienanfängern am geforderten Sprachniveau, um an englischsprachigen Kursen teilzunehmen. Friederike Klippel, Münchner Anglistikprofessorin kritisiert die schlechten Kenntnisse der Abiturienten. Denn sie können so kaum als Studenten in einen wissenschaftlichen Diskurs eintreten. In der Schule wird den Schülerinnen und Schülern wenig Praxis geboten, sie erhalten viel zu selten die Gelegenheit zum Sprechen. Vor allem Studenten aus bildungsschwachen Familien, fallen durch lückenhafte Sprachkenntnisse auf, ihnen ist ein Aufenthalt in einem englischsprachigen Land finanziell nicht möglich. Ostdeutsche Studenten, die vor 15 Jahren deutlich schlechter Englisch sprachen als Studierende in Westdeutschland, haben mittlerweile aufgeholt.

Doch eine Lücke tut sich auf, zwischen den älteren Dozenten und der Generation unter 45 Jahren ist eine Sprachkluft entstanden. Die eine Gruppe spricht eingestaubtes Schulenglisch, die andere Gruppe fährt mit Selbstverständlichkeit ins Ausland, um die Sprache zu lernen. Ein Lebenslauf, der zahlreiche verschieden Auslandsaufenthalten aufweist, wird künftig für eine erfolgreiche Karriere an einer deutschen Hochschule vorausgesetzt werden. Also führt nichts an das Vokabellernen vorbei.

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