Der Osten ruft

semesterticket_schreiben.jpgZum Studieren in den neuen fünf Bundesländern!

Michael Lorenz studiert in Halle an der Saale, aufgewachsen ist er aber rund 360 km weit weg, in einem Dorf in der Nähe von Bremen. Er berichtet, dass nur 30 Erstsemester in seinem Studiengang angefangen haben, davon ist er der Einzige aus dem Westen. In seiner Klasse war er aber auch der Einzige, der in den Osten gezogen ist.

Die Situation sieht so aus, dass nicht einmal 4 Prozent aller Abiturienten aus dem Westen für ein Studium nach Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ziehen. Umgekehrt aber entscheiden sich 22 Prozent der Abiturienten aus den fünf neuen Bundesländern, für ein Studium im Westen Deutschlands.

Michael, der Exot hat keine Probleme mit dem Länderwechsel. Ihn hat das gute Studienangebot gelockt, das er an anderen Orten einfach nicht finden konnte. Mittlerweile hat er Freunde gefunden und kommt in der neuen Stadt bestens zurecht. Gerhard Wünscher hingegen ist weniger erfreut, seine Aufgabe im Kultusministerium in Magdeburg ist die strategische Planung von Wissenschaftsangelegenheiten. So deutet er darauf hin, dass es bei den Wanderbewegungen der Studenten, nicht allein um die innerdeutlichen Zustände geht sondern um viel Geld. Der zwischen Bund und Ländern festgesetzte Hochschulpakt 2020, bringt den Universitäten und Hochschulen der neuen Länder bis zum Jahr 2010, rund 85 Millionen Euro ein. Diese müssen dafür aber ihre Studentenzahlen auf dem Stand von 2005 halten und immer mehr Erstsemester aus den alten Ländern aufnehmen. Im Westen sind viele Hochschulen überlaufen und laut Prognosen steigen die Zahlen der Abiturienten stetig. Im Gegensatz dazu, sinken die Studierendenzahlen im Osten und die Seminarräume, Labore und Auditorien bleiben weitgehend leer. Wünscher macht deutlich, dass es sich hierbei um eine nationale Aufgabe handelt, die Vorurteile gegenüber den Hochschulstandorten der neuen Länder zu stoppen. Dem Osten kann es so gelingen auch mal dem Westen zu helfen, bisher ist das nämlich nur andersrum geschehen, so Gerhard Wünscher.

Die rund 60 Hochschulen in den neunen Ländern konnten sich bisher gut halten. Noch im Winter bestätigte die Hochschulrektorenkonferenz nämlich, dass sich ihr Soll erfüllt habe. Die Verwaltungen sind aufgrund der demographischen Entwicklung dennoch nicht in der Lage. Ruhe zu finden. An vielen Orten werben die Werbekampagnen mit dem Verweis auf niedrige Lebensunterhaltungskosten, fehlenden Studiengebühren, guten Betreuungsrelationen und positive Platzierungen in entsprechenden Rankings, hinzu kommen innovative Studiengänge, die das Studieren im Osten vorteilhaft machen. Die Uni Potsdam zum Beispiel wirbt auf Postkarten mit einer offenen Heringsdose und dem Spruch „Lieber ohne Platzangst studieren“. Denn den Erstsemestern aus anderen Bundesländern schenken sie eine Bahncard 50. Der Rektor der Universität Rostock startet seine Qualitätsoffensive mit den Worten „Wir müssen besser werden, um besser werben zu können“. Die Martin-Luther-Universität in Halle hat schon mehr Schritte in die Richtung genommen, ihre Broschüren und der Internet-Auftritt wurden überarbeitet, ein Kinospot wurde gedreht und an über 3000 Gymnasien in Deutschland wurden Poster aufgehängt, in elf großen Städten wurden die Litfaßsäulen plakatiert mit dem Slogan „Sei klug, studier in Halle“.

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