Das Gespräch

Im Vorstellungsgespräch wenden Personalchefs gerne Fangfragen an.

Im Vorstellungsgespräch wenden Personalchefs gerne Fangfragen an. Auch wenn diese sich meist harmlos anhören, sind sie selten so gemeint. Da die Personalchefs mehr über den Kandidaten erfahren wollen, also mehr als der Lebenslauf hergibt. Bewerber neigen dazu drauf los zu plaudern und Dinge zu erzählen, die sie später bereuen, wenn sie die Absichten bestimmter Fragen nicht kennen. Karrierebrater behaupten, dass man sich auch auf Fangfragen vorbereiten kann. So wird geraten den Lebenslauf zu überprüfen, ob es Lücken oder Schwachstellen gibt. Zudem empfiehlt es sich, sich nicht nur über das Unternehmen sondern auch über den Gesprächspartner vorab zu informieren. Im Gespräch sollte man sich auf ein wenig Konfrontation bereit machen.

Familienfrage: Fragt der Personaler nach den Kindern zum Beispiel, dann hört es sich an wie „Smalltalk”, diese Frage wird häufiger Frauen gestellt. Während Eltern gern über ihre Kinder sprechen und so anfangen zu plaudern, will der Personaler sehen, ob der Bewerber sich den Kopf für die Arbeit frei machen kann. Also sollte der Bewerber nicht über seine Probleme sprechen, sondern die ganze Familiensituation als positiv beschreiben. Natürlich kann der Bewerber auch fragen, welche Rolle die Familienorganisation für den Interviewer spielt. Denn auch Sie wollen ja herausfinden, ob Ihnen die Stelle zusagt, das Bewerbungsgespräch ist ein Dialog, mit dem auch der Personaler für sein Unternehmen wirbt.

Alternativer Lebensentwurf: „Was hätten Sie vor, wenn Sie nicht mehr arbeiten würden?” Der Kandidat der jetzt antwortet, die oder er würde sich erholen, dann ein wenig Sport machen, sich Zeit für die Familie nehmen usw., würde den Eindruck vermitteln, Ausgeglichenheit und Zeitmanagement sind nicht ihre/ seine Stärken. Der Bewerber sollte eher von einer neuen Lebensplanung erzählen, wie etwa die Eröffnung eines Cafés auf La Palma.

Teamfrage: Um herauszufinden, ob der Kandidat zur Teamfähigkeit fähig ist, wird er auf seine Zeit als Freiberufler angesprochen, dass er ein „toller Einzelkämpfer” gewesen ist. Der Personalverantwortliche will den Bewerber hiermit nicht bauchpinseln. Deshalb sollte der Bewerber nicht anfangen, zu prahlen und deutlich machen, wie toll es als Freiberufler funktioniert hat. Die Teamfähigkeit muss gegeben sein, um in einer Festanstellung arbeiten zu können. Machen Sie daher deutlich, wie sehr sich auf eine Arbeit im Team mit Kollegen freuen.

Durchsetzungsfrage: Bewirbt sich eine Frau in einem männerorientierten Bereich, wird sicherlich die Frage nach der Durchsetzungsfähigkeit in einem Männerteam, gestellt. Im Subtext lässt sich verstehen, als Frau sei man zu schwach oder müsste sich unter Männern, etwas einstecken können. Hier sollte die Bewerberin sich nicht rechtfertigen, sondern eher zeigen, dass sie kein Problem hierin sehen. Am Besten können dazu Beispiele aus der vergangenen Laufbahn genannt werden.

Gesundheit: Fragt der Personaler, ob man sich eine Belastung zutraut, sollte man nicht versuche zu erklären, dass man eine längere Krankheit hinter sich hat. Der Bewerber sollte dem Personaler deutlich machen, dass vergangene Krankheiten etc. überwunden worden sind.

Kollegenfrage: Bei der Frage nach den Kollegen, sollte nichts Negatives genannt werden. Loyalität und Schweigen ist hier angebracht. Denn andernfalls könnte der Personaler vermuten, dass der Bewerber für Schwierigkeiten sorgen könnte. Der Bewerber kann bei dieser Frage zum Beispiel, üble Nachrede unter Kollegen verurteilen.

Offene Fragen: Wird der Kandidat gebeten, ein wenig von sich zu erzählen, sollte der Gefragte darauf verzichten, lange private Geschichten zu erzählen. Angebracht ist es hier, Bezüge zum angestrebten Beruf herzustellen.

Überstunden: Ob Überstunden in Ordnung für den Bewerber in Ordnung sind oder nicht, wird der Personaler fragen. Als Antwort sollte der Bewerber sich jedoch nicht anbiedern oder gar erzählen, dass etwa die Arbeit sich nicht genau planen lässt oder Ähnliches. Denken Sie daran, dass dies dann kein gutes Licht auf ihre Zeiteinteilung werfen wird. Der Kandidat sollte klar machen, dass die gestellten Aufgaben innerhalb der Arbeitszeit erledigt werden können, in Sonderfällen ist man aber bereit Extraschicht einzulegen.

Kritik: Fragt man den Bewerber, wie er oder sie mit Kritik umgeht, wird nicht geantwortet: „natürlich kritikfähig”, „lernen aus Fehlern” und „nehmen Kritik an”. Es ist klar, dass niemand Kritik liebt, machen sie aber deutlich, dass sie mit Kritik konstruktiv umgehen können.

Unerlaubte Frage: Fragt der Personalverantwortliche etwas zur Politik, möchte er so herausfinden ob der Bewerber diplomatisch auf schwierige Fragen reagieren kann. Berater sind sich sicher, dass es bei dieser Frage nicht möglich ist abzublocken, viel eher kann die Frage nachgefragt oder auch umgeleitet werden. Etwa so: „Darf ich fragen, warum Sie mich das fragen? Haben Sie ein anderes Beispiel, auf das ich mich beziehen kann?”

Brainteaser: „Warum sind Gullydeckel rund?” lautet eine beliebte Denksportaufgabe, die an ihre Kreativität gerichtet ist. Der Personaler erwartet hier keine perfekte Lösung. Viel mehr will der Interviewer sehen, wo der Bewerber an ein Problem rangeht. Laut zu denken, bei solchen Fangfragen empfiehlt sich.

Fazit: Profis wie Andreas Scheuermann von der Personalberatung Mercuri Urval, macht deutlich, dass es für den Bewerber in jedem Fall von Vorteil ist, ehrlich und authentisch zu bleiben. Die Konfrontation mit Fangfragen wird seltener, je größer das Unternehmen ist. Profis machen sich ihr Bild vom Bewerber durch ein Telefongespräch oder durch Assessments. Wer dann zu einem persönlichen Gespräch eingeladen wird, braucht sich nicht vor unangenehmen Überraschungen fürchten. Meist werden in großen, namhaften Unternehmen keine Fangfragen gestellt, denn es könnte der Außenwirkung schaden. Über die Geschichte mit dem Gullydeckel sollte man sich jedoch trotzdem Gedanken machen.

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