Berufseinstieg und Bachelor
Taugen die neuen Studienabschlüsse am Arbeitsmarkt?
Universitätsabsolventen werden nicht länger Diplom oder Magister sondern Bachelor und Master bei der ersten Job- Bewerbung vorzeigen. Doch welche Chancen bieten sich den Berufsanfängern mit den neuen Abschlüssen auf dem Arbeitsmarkt? Auf einer Fachkonferenz an der freien Universität Berlin wurde zwischen Hochschulen und Unternehmen dieses Thema besprochen.
Die Hochschulen des Nordens sind besonders fleißig. Kein anderes Flächenland bietet so viele Bachelor- und Masterstudiengänge wie in Niedersachsen (890 sind es insgesamt), so die Hochschulrektorenkonferenz. Dass die neuen Studiengänge schnell eingeführt wurden, könnte sich als Standortvorteil des Nordens herausstellen. Dabei macht der Staatssekretär im niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Josef Lange deutlich, dass die Zahl der Studienanfänger an den Hochschulen Niedersachsens um neun Prozent gestiegen ist, und das, trotz der Einführung von Studienbeiträgen (500 Euro pro Semester). Es scheint als hätten die Studiengebühren sich nicht negativ ausgewirkt. Vielmehr haben die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge, die Qualitätsbesserung durch verbesserte Betreuungsrelation und die zusätzlichen finanziellen Mittel, die durch die Studienbeiträge hinzukommen, die Attraktivität der Hochschulen Niedersachsens gesteigert.
Auch die Wirtschaft profitiert von der Umstrukturierung der deutschen Hochschullandschaft. Besonders vorteilhaft sind die neuen Bachelor-Studiengänge. Wolfgang Brickwelde ist Verantwortlicher für die Suche und Einstellung von neuen Mitarbeitern beim Softwareunternehmen SAP, er erläutert dass die Auswahl der Bewerber erleichtert wird. Doch Bachelor- und Masterabschlüsse seien dennoch nicht automatisch besser als Diplom oder Magister.
Der Vorteil liegt bei den Studierenden, da sie mit dem Bachelor das Studium schneller beenden können und zudem auch international vergleichbarer sind. So sind die Bachelor-Studierenden auch in der Lage in das Ausland zu gehen. Im Ausland reagiert man auf das Vordiplom mit einem “Was ist das denn?”, beim Bachelor ist der Umgang im Ausland einfacher.
Brickwedde ist außerdem auch Vorstandssprecher des Arbeitskreises Personalmarketing, hierbei haben sich 40 Unternehmen zusammen geschlossen und verfolgen unter anderem das Ziel, Hochschulen die Anforderungen der Praxis näher zu bringen. Seit dem Jahr 2006 bewertet der Arbeitskreis Deutschlands Bachelor-Studiengänge.
Dabei hat man festgestellt, dass kleine Fachhochschulen und Universitäten weit oben stehen, das aufgrund ihres Profils und der Tatsache, dass sie sich selbst “Gedanken machen”, ihre Anstrengungen haben sich schon in früher Phase gezeigt.
Die vom Bologna-Prozess geforderten Veränderungen werden nicht von jeder Universität auf die gleiche Weise verlinkt. Also ist Bachelor nicht gleich Bachelor. Ein Beispiel für die komplette Neustrukturierung ist die Leuphana Universität Lüneburg. Sabine Remdisch, Vizepräsidentin für den Bereich lebenslanges Lernen an der Leuphana Universität erzählt, dass man bei der Umsetzung auf Bachelor- und Masterstudiengänge anfangs noch stark auf Diplomstudiengänge fixiert war. Mehr oder weniger schien man die selbsen Inhalte lediglich in neue “Verpackungen” zu verstauen. Man sollte jedoch genauestens auf die Umsetzung von Bologna achten. In Lüneburg wurde der allgemeine Bachelor eingeführt, der sogenannte Lauphana-Bachelor, auf dem die Masterstudiengänge dann aufgesetzt sind. Die Bewerberzahlen hierfür sind zwar positiv doch es muss sich noch “beweisen”.
Die Unternehmen machen keinen Unterschied, ob der Bewerber nun ein Diplom oder einen Masterabschluss vorweisen kann. Aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages aus etwa 2000 Unternehmen, geht hervor, dass das wichtigste Kriterium die Teamfähigkeit des bewerbenden Hochschulabsolventen ist. Das Fachwissen erreichte hierbei lediglich Platz fünf.
Deutsche Firmen hoffen bei den Masterstudiengängen auf eine stärkere Anwendungsorientierung. Noch hapert es hierbei jedoch. Unternehmen, deren Erwartungen sich nicht erfüllt haben, sahen den Hauptgrund in der fehlenden Umsetzung des Fachwissens.
